Für die Bedarfsbewertung hat der Gesetzgeber mit den §§ 138 ff. BewG den Nachweis eines geminderten Verkehrswerts zugelassen. Bei den Immobiliengutachtern wird diese Öffnungsklausel zur Überbewertungsvermeidung häufig bei der Bewertung von unbebauten Grundstücken aber auch bei anderen Immobilien angewendet.

An Stelle des Grundbesitzwerts wird ein vom Immobiliengutachter ermittelter Verkehrswert festgeschrieben, der bei der Besteuerung zugrunde gelegt wird. Dieser vom Immobiliensachverständigen ermittelte Wert wird allerdings nicht in allen Fällen automatisch von der Finanzverwaltung anerkannt.

Der Immobilieneigentümer kann den niedrigeren Verkehrswert sowohl durch die Hinzuziehung eines vereidigten, öffentlich bestellten Immobiliengutachters als auch anhand der regional erstellten Gutachten der zuständigen Gutachterausschüsse nachweisen. Ein innerhalb des normalen Geschäftsverkehrs und –jahres vor oder nach dem Zeitpunkt der Besteuerung kann für das zu bewertende Grundstück bzw. die zu bewertende Immobilie ebenfalls als Nachweis dienen.

Der Immobiliengutachter ist verpflichtet, die Grundsätze der WertR (Wertermittlungsrichtlinien) und der WertV (Wertermittlungsverordnung) in jedem Gutachten zu berücksichtigen. In der Regel werden zur Verkehrswertermittlung die gängigen Ermittlungsverfahren wie das Vergleichswertverfahren (geregelt in §§ 13 und 14 WertV), das Ertragswertverfahren (geregelt in §§ 15 bis 20 WertV) und das Sachwertverfahren (geregelt in §§ 21 bis 25 WertV) sowie Kombinationen aus diesen Verfahren von den Immobiliensachverständigen angewandt. Im jeweiligen Einzelfall wird vom Immobiliengutachter entschieden, welches Verfahren unter üblichen Gepflogenheiten des gewöhnlichen Geschäftsverkehrs einzusetzen ist.

In der Regel werden Bodenwerte aufgrund der Bodenrichtwerte regionaler Gutachterausschüsse ermittelt.  Die Bodenwertrichtlinien werden regelmäßig im 2- Jahres-Zyklus in den einzelnen Richtwertzonen neu bewertet. Die Listen der Gutachterausschüsse stellen ein wichtiges Hilfsmittel für den Immobiliengutachter dar.

In § 17 WertV wird der Rohertrag, der alle erzielten Einnahmen aus einer zulässigen und ordnungsgemäßen Nutzung bzw. Bewirtschaftung des Grundstücks wie Pachten und Mieten, umfasst, geregelt. Dieser Rohertrag ist für die Bedarfsbewertung des Verkehrswerts ein wichtiger Faktor. Ein Immobiliengutachter wird für die Rohertragsermittlung nicht lediglich den tatsächlichen Ertrag berücksichtigen, sondern auch nachhaltig in der Zukunft erzielbare Erträge einfließen lassen. Um steuerrechtliche Probleme zu vermeiden, sollte der Immobilieneigentümer daher grundsätzlich einen Immobiliengutachter mit der Bewertung der Immobilie beauftragen.